Plötzlich Besessen/ Die Prüfung

Schon am Tag meiner Anreise hatte ich ein komisches Gefühl als ich zu Bett ging. Da lag ich neben meinem Freund und spürte deutlich die Anwesenheit der Gestalt eines Mannes, er stand neben meinem Bett aber er verängstigte mich nicht. Die ersten 3 Tage nahm ich ihn jeden Abend wahr, es wunderte mich etwas da ich ihn wahrnahm wie eine Art Wächter, doch warum war er da ? Viel irritierender warum hatte mein Freund so schwarze Augen und warum konnte ich seine Seele nicht mehr sehen?
Die Antwort sollte ich bald erhalten, wir verbrachten einen lustigen Abend auf dem Boot eines Freundes. Mein damaliger Freund trank an dem Abend 2 Bier, also nicht gerade viel.
Als wir im Bett lagen begann er plötzlich zu krampfen, ich stand auf und machte das Licht an. Feyzi war stark am krampfen, gut da ich in der Neurologie gearbeitet habe, dachte ich natürlich zuerst an einen epileptischen Anfall. Ich blieb also ruhig vor dem Bett stehen und wartet bis sein Krampf vorbei sein würde, doch plötzlich schreckte ich aus meinen Gedanken auf und aus meiner Kehle ertönte ein lautes Knurren. Das knurren kannte ich bisher nur aus magischen Angriffen noch nie hatte ich einen Menschen angeknurrt und mir wurde mulmig. Feyzi lag mittlerweile neben dem Bett in einer Ecke und bewegte sich nicht mehr, leicht verwirrt was da nun gerade passiert sprach ich ihn an, doch bekam ich als Antwort lediglich ein stöhnen. Ich war bis dahin kein gläubiger Mensch und mit Göttern hatte ich erst recht nichts am Hut, doch als Feyzi da so lag begann ich das Vater unser plötzlich leise auf zu sagen. Er begann erneut zu krampfen und ich war immer noch der Meinung es muss ein epileptischer Anfall sein. Nachdem ich das letzte Wort des Gebets aussprach passierte es, er sprang wie aus dem nichts auf. Er stand mit verdrehten Augen vor mir ballte die Fäuste und der Moment war gekommen wo mir klar war, du hast nicht zu viele Horrorfilme geguckt das ist wirklich gerade echt. Aus meiner Kehle vernahm ich wieder ein Grollen, was sich nicht steuern lies, so standen wir da. Er war kampfbereit und jede Sekunde drauf programmiert auf mich los zu gehen, mittlerweile hatte ich so viel mit Geistern erlebt, dass mich nichts mehr Schocken konnte. Ich sprach Feyzi an jedoch kam keine Antwort, plötzlich ging er auf den Balkon dort fing er an zu erzählen er sieht seine Mutter durch die Bäume springen. Ich fragte mich ob er Drogen konsumiert hat aber das hätte ich wohl mitbekommen. Er begann wie aus dem nichts bitterlich zu weinen, ich musste ihn mit jeder Menge körperlichen Einsatz davon abhalten sich nicht vom Balkon zu stürzen. Sein weinen wurde immer heftiger und er erzählte mir was passiert ist als er krampfte. Immer wieder fragte er mich ob ich verstanden habe, dass seine tote Mutter vor ihm stand und in ihn rein gegangen ist. In meinem Kopf ratterte es, so hatte mir Serkan bei meinem letzten Aufenthalt erzählt wie sie auf Djinns getroffen sind. Es begann mir zu dämmern und ich hörte Feyzi weiter zu, denn das war ein alt bekanntes Djinn Szenario und ich mitten drin statt nur dabei. Er fasste sich und wirkte normal, etwas verwirrt lag er mittlerweile in meinen Armen bis er wieder aufsprang. Er rannte zum Spiegel und begann plötzlich sich mit seiner Mutter im Spiegel zu unterhalten, immer wieder versuchte ich ihm ruhig und bestimmt klar zu machen, dass seine Mutter dort nicht ist. Im Hinterkopf wusste ich ein Spiegel und ein Raum, mehr brauchst du nicht für die Unterhaltung mit der Unterwelt. Ich frage mich bis heute wie ich in diesem Moment so ruhig bleiben konnte, dass was geschah war alles andere als normal. Irgendwann gelang es mir Feyzi vom Spiegel weg zu ziehen, er war wieder völlig verändert. Das Szenario zog sich bereits über 3 Std bis es den Höhepunkt erreichte, Feyzi lag in meinen Armen als er wieder begann zu krampfen und plötzlich wie von der Tarantel gestochen aufsprang. Er stürmte auf den Lichtschalter zu, der zum Glück für das Licht im Flur zuständig war und nicht wie geplant den Raum abdunkelte. Wieder verdrehten sich seine Augen und er stand schnaubend mit einem ekelhaften grinsen vor mir, bereit um auf mich los zu gehen. Sein knurren wurde immer lauter und ich befand mich in leichter Schock starre, nun habe ich genug Horrorfilme geguckt und stellte die Frage der Fragen: „Wer oder was bist du?“ Er grinste immer schelmischer und kam auf mich zu. Es war Zeit das zu gebrauchen was ich in jedem Film gelernt hatte und so begann ich mit lauter Stimme ein Gebet. Es sollte das „Enomine padre“ werden, er begann zu erstarren und ich sprach immer lauter und gewillter. Feyzi begann zu weinen, die Angriffslust verschwand und er ging auf die Knie, er bat drum, das ich aufhörte dabei wusste ich aber das er eigentlich gar nicht verstand worüber ich redete, da er nur Türkisch und Englisch spricht. Mir schossen die Gebete nur so in den Kopf die ich aus dem guten alten Religionsunterricht kannte bis hin zu den Suren des Korans , die mir lustiger weise ein Freund ein paar Wochen vor der Reise beibrachte. Fast eine Stunde Betet ich alles runter, ich hörte nicht auf.
Feyzi lag vor meinen Füssen es schien etwas ihn bitterlich zu Schmerzen. Ich betete so lange bis er aufhörte auf dem Boden sich zu wälzen, bis er still und friedlich da lag und langsam zu sich kam. Er war etwas verwirrt und völlig entkräftet und was mich nicht wunderte, dass er nicht mehr wusste was die letzte Stunden überhaupt passierte.
Während er friedlich in meinen Arm einschlief, betete ich noch ein paar Suren die Al-Fathia sollte seine Träume beschützen. So haben mir meine Freunde ihren Glauben beigebracht, dass ich das irgendwann mal Anwende und Beten würde, hätten sie selber nicht gedacht. Als er eingeschlafen war, saß ich neben ihm und mir wurde so langsam erst richtig klar was ich da gerade erlebt habe. Ich beschäftige mich ja schon mein ganzes Leben damit und Besessenheit war etwas, was ich nie in Frage gestellt habe. Zu viel hatte ich mich seit meiner Teenangerzeit damit beschäftigt, es war immer eine Sache vor der ich den größten Respekt hatte in meinem Leben. Hätte mir mal jemand erzählt, dass ich sowas erlebe, hätte ich die Person wohl ausgelacht und hätte erzählt wie ich schreiend jeden Marathonläufer auf 42 km überhole. Ich kam plötzlich völlig unerwartet in diese Situation mitten in der Nacht in einem fremden Land und hatte ein Stück Palo Santo und Magie Bücher zufällig im Gepäck. Mein Aufenthalt in der Türkei war eine Prüfung… meine Prüfung und die Prüfung in der ich auf Apollon traf ein Gott, den ich davor wie die restlichen Götter nicht wirklich kannte weil meine Interessen eher bei Rap-Legenden liegt.
Mein Schlag zur magischen Priesterin sollte folgen…